Hörprobe gefällig?

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Chorgründer Meinhard Emling

Meinhard Emling bei seinem Abschiedskonzert am 19.11.2011.

Mit der Gründung des ersten Gospelchors der Pfalz im Jahre 1974 setzte er einen völlig neuen Farbklecks in die Chorlandschaft. Er überwand die Hürden der Skepsis in pfälzischen Kirchen und ebnete damit vielen Nachfolgechören den Weg. 

37 Jahre lang leitete Meinhard Emling den Gospelchor Lingenfeld, der als einer der besten in Deutschland gilt. Im November 2011 schließlich übergab der erfolgreiche Chorleiter sein Lebenswerk in jüngere Hände und sich selbst einem neuen Lebensabschnitt.

Meinhard Emling wurde 1953 in Lingenfeld geboren. Wie viele seiner jugendlichen Freunde sang er Ende der 60er Jahre im örtlichen Kirchenchor, während sein Herz für all das schlug, was aus Flowerpower-Woodstock-Amerika herüber wehte. Darüber hinaus war Emlings Interesse an Musik im Allgemeinen so groß, dass er sich nach dem Abitur für ein Lehramtsstudium der Fächer Musik und Mathematik entschied. Während seiner Ausbildung beschäftigte er sich neben dem Querflöten- und Klavierspiel besonders intensiv mit der religiösen Musik der „Negersklaven“ Nordamerikas: Die Negrospirituals und Gospels ließen ihn fortan nicht mehr los, so dass er den kühnen Entschluss fasste, in seinem Heimatdorf Lingenfeld einen weißen Gospelchor zu gründen.

Bluesig-soulige Lieder in englischer Sprache waren in pfälzischen Kirchen ein Novum, für manche sogar – religiöse Texte hin oder her – eine Zumutung. E-Gitarre, Schlagzeug und Bass und die wummernde Hammond-Orgel anstelle der altehrwürdigen Kirchenorgel – gewöhnungsbedürftig für die einen, eine Offenbarung für die anderen. Emling ließ sich nicht beirren. Mit Beständigkeit und Ausdauer führte er seine sympathische Truppe, die immer größer und größer wurde, zum Erfolg.

Einen neuen Chor zu gründen, ihn zu etablieren war das eine, ihn 37 Jahre lang so erfolgreich zu leiten, das andere. Dabei die Qualität immer weiter zu steigern und schließlich auf einem anerkannt hohen Niveau zu halten, immer wieder neue Literatur, neue Lieder aufzutun, die zum Chor passten und den hohen Erwartungen der großen Fangemeinde gerecht wurden – eine große musikalische Herausforderung. Emling meisterte sie mit einem „glücklichen Händchen“, mit ungeheuer viel Recherchearbeit, Geduld und Durchhaltevermögen. So blickte der Chor 2011 auf 480 Konzerte im In- und Ausland zurück.

Aber musikalische Kompetenz allein reichte nicht. Die zwischenmenschliche Herausforderung bestand in all den Jahren darin, aus rund 60 Individuen nicht nur einen Klangkörper, sondern eine echte Gemeinschaft werden zu lassen, sie „bei der Stange zu halten“, immer wieder neu zu motivieren. Meinhard Emling zeigte auch hier sehr viel Geschick: Gemeinsam singen, gemeinsam feiern, sich gemeinsam anstrengen und gemeinsam Erfolg und Spaß haben.  Nach diesem Motto gestaltet sich von je her das Vereinsleben des Chors. Schon früh begann Emling mit seinem Chor zu reisen (55 Konzertreisen bis 2011) und die Sängerinnen und Sänger auch für außermusikalische Events zu begeistern, bei denen alle mit anpacken mussten. Seit Jahrzehnten schon stemmen die Chorleute zwei große Faschingsveranstaltungen jährlich und bewirtschaften an drei Straßenfesttagen ein liebevoll geschmücktes Hofgut in der Heimatgemeinde Lingenfeld. Das schweißt Jung und Alt zusammen und integriert mühelos neue Chormitglieder.

Auch dafür zeichnete Emling Jahrzehnte lang als Vereinsvorsitzender verantwortlich. Als er 2010 von der Gemeinde Lingenfeld „in Anerkennung und Würdigung der herausragenden und erfolgreichen Leistungen“ besonders geehrt wurde, brachte es Laudator und Chorleiterkollege Hermann-Josef Settelmeyer auf den Punkt: „Vorstand und Dirigent beim Gospelchor, das wäre Arbeit für zwei große, gesunde, kräftige Männer.“ Der Präsident des Chorverbandes der Pfalz, Hartmut Doppler, zeichnete „den außergewöhnlichen Menschen Meinhard Emling“ 2010 mit dem Ehrenteller aus.

Für seine Frau Michaela und seine beiden erwachsenen Kinder war der Chor stets wie ein fünftes Familienmitglied – ein sehr zeit- und energieaufwändiges. Jeden Tag klingelte mehrfach das Telefon, weil jemand Auskünfte über den Chor benötigte. Jeder Freitagabend war reserviert für die Chorprobe, die gründlich vorbereitet werden musste. Viele Wochenenden im Jahr standen ganz im Zeichen eines Konzertes: Sonderproben mussten gehalten, technisches Equipment verladen und schon Stunden vor dem Konzert zu den oft weit entfernten Auftrittsorten gebracht werden. Freizeit im Sinne von „chorfreier Zeit“, das gab es für Emling in 37 Jahren kaum.

Erst 2009 gab er den zeitraubenden Posten des Vorstandsvorsitzenden an das langjährige Chormitglied Steffen Deubig ab und am 19. November 2011 reichte er schließlich im Rahmen eines fulminanten, unvergesslichen Abschiedskonzertes symbolisch den Taktstock an Matthias Settelmeyer weiter. So hat Emling sein behutsames Ausscheiden schrittweise und bestens vorbereitet.

37 Jahre lang waren Gospelchor Lingenfeld und Meinhard Emling wie Synonyme. Wenige Ehen halten so lange! Doch nun hat für ihn ein neuer Lebensabschnitt begonnen mit mehr Zeit für sich, die Familie, die Freunde und die übrigen Hobbies.

Aber immer noch steht er „seinem“ Chor sehr nah. Als Ehrenchorleiter und Ehrenvorsitzender stellt er seine jahrzehntelange Erfahrung zur Verfügung, berät den neuen Chorleiter und die Vereinsvorstände und darf auch beim Umtrunk nach den wöchentlichen Chorproben nicht fehlen.

Meinhard Emling – ein Mann, vor dem Mann den Hut ziehen muss. Chapeau!